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Schulsysteme im Vergleich

Wir sind einander nah durch die Natur, aber sehr entfernt durch die Bildung.    (Konfuzius)

 

Meine Schüler haben mich gefragt, worin die größten Unterschiede bestehen zwischen dem deutschen und dem chinesischen Schulsystem, wie ich es auf der Delegationsreise kennengelernt habe.

Auch wenn man uns wohl nur Musterschulen gezeigt hat, Ausnahme-Bildungsstätten mit Top-Ausstattung und Top-Schülern (die Frage, was eigentlich mit schwächeren Schülern geschehe, wurde an einer Schule mit dem knappen Satz beantwortet, an dieser Schule gebe es keine schwachen Schüler...), kann man nichtsdestotrotz Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden:

Chinesische Schüler sind alle Streber, im positiven Sinne des Wortes. Sie streben danach, einen sehr guten Abschluss zu machen und/oder die Aufnahmeprüfung an der Universität zu bestehen, denn nur das garantiert ihnen Chancen auf einen guten Job. Zwei deutsche Austauschschüler, die wir an einer Schule in Peking getroffen haben, berichteten, sie hätten mit den chinesischen Schülern nur während der Schulzeit zu tun, ansonsten seien diese ständig dabei zu lernen oder zu wiederholen und hätten keine Freizeit. 

Strenge Disziplin macht sich auch im Unterricht bemerkbar, in dem über das Fachliche hinaus nicht geredet werden darf (und nicht geredet wird)- wahrscheinlich ist das auch nicht anders machbar bei Klassen von manchmal 40 Schülern. Auf jeden Fall konnte mancher Kollege das Leuchten in seinen Augen nicht verbergen beim Anblick der fleißig schreibenden Schüler und des dozierenden Lehrers, der auf einer Art Podest vor der Klasse stand. Und auch ich konnte ein leises Seufzen nicht unterdrücken, als ich mir meine quirlige 8. oder meine träge 10. Klasse in dieser Umgebung vorstellte...

Die Kehrseite dieses Leistungsdrucks: selber denken ist nicht gefragt. Ähnlich den Dozenten an der Uni (vgl. die Aussagen zu Gruppe 4, s.u. :-)) sind Lehrer unantastbare und distanzierte Wesen, deren Meinung ungefragt anerkannt und auswendig gelernt wird. Wie ist es möglich, Kants Appell an die Vernunft auswendig zu lernen und nicht zu hinterfragen, warum man das tut, das Gängelband nicht zu sehen? Aber vielleicht ist es auch einfach nur arrogant von uns, das westliche Bildungsideal über das konfuzianische stellen zu wollen...

Eins jedenfalls ist auffällig: Bildung und Leistung an sich, aber auch den Lehrern wird eine hoher Stellenwert zugeschrieben, in das Lernen und die Ausbildung wird offensichtlich mehr Zeit, Geld und Wertschätzung investiert als bei uns. Das zeigt sich nicht an den wenigen Eliteschulen, die ihre Klassenräume an virtuelle Welten anschließen und jedem Schüler einen Internetarbeitsplatz einräumen, sondern an der Unbedingtheit, mit der sich Schüler dem Lernen verschreiben (müssen) und dem Ansehen, das Lehrer  genießen. Während des  Besuchs in Gastfamilien in Xining wurden meine Kollegin und ich mit dem Titel "Lehrerin" angeredet, wie man es hierzulande nur noch bei Professoren und Doktoren tut.

Welche Anregungen kann man mit nach Hause nehmen?

Positiv aufgefallen ist mir das öffentliche Lob, wie es an allen Schulen durch die Veröffentlichung guter Leistungen sowohl von Schülern als auch Lehrern  oder durch Talentshows vergeben wurde. Die Kehrseite, ein klasseninternes Ranking, das die leistungsschwachen oder auffälligen Schüler anprangert, halte ich dagegen für pädagogisch weniger wertvoll (außerdem haben wir in NRW dafür ja sechs Kopfnoten eingeführt, das muss reichen! :-)).   

Auch an eine einheitliche Schulkleidung könnte ich mich durchaus gewöhnen, auch wenn Trainingsanzüge, wie sie an den chinesischen schulen getragen werden, nicht meine erste Wahl wären. Dafür habe ich mich während der Reise zu sehr an die schicken Anzüge und Kostümchen der LehrerInnenkollegInnen gewöhnt... Vielleicht also eher die englische Variante ohne Krawatte (zu schwierig zu binden) und Faltenrock (macht fett)? 

Was ich nach dieser Reise in jedem Fall sicher weiß: ich mag meine Schüler so, wie sie sind- kritisch, chaotisch, kreativ und individuell. Ich möchte weder, dass sie vor mir Angst haben noch dass sie über meine schlechten Witze lachen, nur weil ich der Chef im Ring bin.

Aber natürlich werde ich ihnen das nicht verraten.  

 

 

26.10.07 16:38
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Svenja (26.7.08 15:07)
Warum schreiben sie es dann in den Blog? =)

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