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Ueber die Notwendigkeit, das ABC neu zu lernen

Der Lehrer an sich beschaeftigt sich eher selten mit seiner Kleidung. Da sie nur selten gezwungen sind, Krawatte und Sakko (bzw. Hosenanzug und Bluse) zu tragen, sind viele Kollegen immer noch der irrigen Annahme, weisse Socken passten hervorragend zu Sandalen oder zum selbstgestrickten Dreifarben-Pullunder.

Um etwaigen Geschmacksver(w)irrungen vorzubeugen -und uns auch wirklich als wuerdige Repraesentanten unseres Landes erscheinen zu lassen- wurde das Programm der Delegationsreise mit den kryptischen Kuerzeln A,B und C versehen. Diese standen fuer A = formelle, d.h. Businesskleidung, B= business casual, d.h. etwas legerere Businesskleidung (was Sandalen ausschliesst, aber ein Hemd ohne Krawatte zulaesst) und C= casual, d.h. oben erwaehnte Freizeitklamotten. Die meisten Schulbesuche durften in B-Kleidung absolviert werden, bei den Abendveranstaltungen war Kleiderordnung A oberste Lehrerpflicht. Noch nie habe ich so viele gut aussehende Kollegen gesehen- man sollte weniger ueber die Einfuehrung von Schuluniformen diskutieren als vielmehr die Anzugpflicht fuer Lehrer einfuehren! (Wenn dadurch auch die Noten der Schueler nicht besser werden, der Laune der Kolleginnen ist es in jedem Fall zutraeglich! ;-)))

Die erste A(bend)-Veranstaltung fand gestern statt: ein Empfangsbankett des Shanghaier Jugendverbandes. Das Essensritual eines solchen Banketts weicht dabei an einigen Punkten von den uns vertrauten Ablaeufen ab.

Alles beginnt mit Reden, in denen sich Deutsche und Chinesen ewige Freundschaft schwoeren und dabei gesalbte Worte, wenn moeglich auch noch Sprichwoerter ueber Sinn und Zweck von Freundschaft und Kulturaustausch, von sich geben. Unser Uebersetzer hat dabei kleinere sprachliche Fauxpas der deutschen Delegationsleitung ausgebuegelt, indem er z.B. aus einfachen Damen und Herren ganz chinesisch Freundinnen und Freunde gemacht hat.

Den Reden folgt die gegenseitige Geschenkuebergabe. Dabei faellt auf, dass die chinesische Seite ihre Geschenke nicht verpackt, sondern offen ueberreicht (weil das auf dem Photo besser aussieht? Weil sie im Gegensatz zu uns nichts zu verbergen hat?). Egal ob verpackt oder nicht, nach ein paar warmen Worten werden die Geschenke an die herbeigeeilten Assistenten weitergereicht und verschimmeln dann vermutlich fuer immer in irgendeiner Asservatenkammer.

Nach den Geschenken, vor den Geschenken oder mittendrin darf auf jeden Fall angestossen werden, wenn es einer der Delegationsleiter will und durch ein lautes gan bei kundtut (was soviel heisst wie "Ex oder nie mehr Sex"). Auf jeden Fall darf nach Aufforderung des Gastgebers mit dem Essen begonnen werden. Das gemeine Volk, d.h. in diesem Fall der Lehrerpoebel, darf das Buffet oder die Speiseplatten pluendern, waehrend am Ehrentisch der Delegationsleitung wahrscheinlich huldvolle Worte ueber die deutsch-chinesische Freundschaft ausgetauscht werden.

Irgendwann, fuer deutsche Verhaeltnisse relativ frueh (so gegen 20h), wird das Bankett dann durch ein kurzes Wort des Gastgebers aufgeloest. Der Chinese an sich geht jetzt nach Hause oder in die naechstgelegene Karaokebar, der Deutsche wundert sich ueber den ploetzlichen Aufbruch und die vermeintliche Ungeselligkeit der Chinesen.

Oder er ignoriert diesen kulturellen Unterschied und geht entweder noch zur Massage oder in die Bar Rouge, um von dort den Ausblick auf die Skyline von Shanghai zu geniessen.

18.10.07 01:10
 


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