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   Der Erfinder des Originals: meine Lieblings-"China News"
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Alle Wege führen nach China- und manche dauern länger...

...z.B. der bürokratische Weg.

Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch mit der Schulleiterin der deutschen Schule in Peking steht meinem Eintritt in die chinesische Arbeitswelt jetzt nichts mehr entgegen- bis auf die Tatsache, dass ich ja eigentlich nach Shanghai ziehen wollte.

Was ist passiert, dass es mich jetzt doch in die chinesische Hauptstadt verschlägt? (Oder besser gesagt: was ist NICHT passiert?)

Bereits im Sommer hatte ich erste Gespräche mit dem Bundesverwaltungsamt geführt, um mögliche Stellenausschreibungen zu sondieren. Der Zeitpunkt war günstig: es gab vier Stellen für Deutschlehrer an chinesischen Schulen zu besetzen, davon eine in unmittelbarer Nähe von, die andere direkt in Shanghai. Offensichtlich gab es für beide Stellen auch nicht haufenweise Bewerber, gegen die ich hätte antreten müssen. Es hätte also alles ganz schnell entschieden werden können. Der geneigte Leser wird feststellen, dass ich bewusst den Konjunktiv Irrealis verwende, der entweder Wünschens- und Hoffenswertes oder aber Unmögliches bezeichnet (bis heute bin ich mir nicht sicher, was davon zutrifft).

Es begann eine kafkaeske Reise durch die deutsche Länderbürokratie, die sich unabhängig von der Institution (BVA, Bezirksregierung, Ministerium) vor allem dadurch auszeichnete, dass niemand für meine Anfrage zuständig war und/oder niemand Verantwortung dafür übernehmen wollte, mich tatsächlich ins Ausland zu entsenden: Das Bundesverwaltungsamt ließ mich wissen, dass ich zunächst eine Freistellung von der Bezirksregierung bräuchte, von dort wurde ich ans Ministerium verwiesen, weil ich ja bereits auf Lebenszeit verbeamtete Lehrerin sei, auf die die angebotenen Bundesprogrammlehrkraft-Stellen aber nicht zugeschnitten seien, vom Ministerium wurde ich mit warmen Worten an die Bezirksregierung zurückverwiesen, die schließlich meinte, ohne die Zusage, dass ich eine Stelle in Aussicht hätte, wäre auch eine Freistellung nicht möglich- die wiederum war aber Bedingung des BVA für eine Stellenzusage...

Allen Nicht-Lehrern, die an diesem Punkt geistig bereits abgeschaltet haben, sei versichert, dass das nur die Kurzversion des tatsächlichen Behörden-Marathons ist, den ich hinter mir habe. Am Ziel bin ich eigentlich immer noch nicht angekommen, denn schließlich gehe ich nächsten Monat nicht nach Shanghai, sondern nach Peking. How comes? Weil mir das Warten zu lange dauerte, hatte ich parallel nach (schlechter bezahlten und sozial weniger abgesicherten) Ortlehrerstellen Ausschau gehalten und mich kurzerhand einfach an allen deutschen Schulen in China initiativ beworben. Vor meiner Delegationsreise im Herbst war ich dann in Peking eingeladen und wurde auch direkt eingestellt- nur um dann während der Delegationsreise in Shanghai zu hören, dass ja immer noch 25 (!) Stellen für Deutschlehrer an chinesischen Schulen, auch in Shanghai, unbesetzt seien und händeringend Bewerber gesucht würden... Für einen Moment habe ich nach der versteckten Kamera Ausschau gehalten, aber offensichtlich liegt es "nur" an der mangelnden Abstimmung und Kommunikation der bürokratischen Institutionen, dass auf der einen Seite Bewerbungen nicht bearbeitet und andererseits dringend Lehrer gesucht werden.

Bis jetzt, ein paar Wochen vor meinem Abflug, habe ich noch keine Zusage oder Absage für die BPLK-Stelle in Shanghai erhalten und gehe daher davon aus, dass ich zunächst einmal in Peking arbeiten werde. Aber wer weiß? Jeden Tag kann sich etwas Neues ergeben. Es geht ja nichts über Planungssicherheit...

Ich halte Euch auf dem laufenden!

3.1.08 13:02


Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit...

Da es in China üblich ist, Wohnungen möbiliert zu vermieten, werde ich mit leichtem Gepäck (ab)reisen: mit 20kg im Koffer und einer Katze. Was beides eine gewisse Herausforderung darstellt: Wie reduziert man die wesentlichen Dinge des Lebens auf 20kg? Was sind eigentlich die wesentlichen Dinge? Was braucht man für zwei Jahre fern der Heimat? Und warum gehört die Katze ins Gepäck?

Wahrscheinlich landen nur Kleidungsstücke und Photos in meinem Koffer, für mehr ist kein Platz. Und in unserer mobilen Gesellschaft hat man ja eh die wichtigsten Sachen auf dem Laptop oder dem USB-Stick gespeichert, oder? Das stimmt nur zum Teil. Meine Lieblingsbücher müssen leider zurückbleiben, ebenso wie das eine oder andere vertraute Möbelstück oder Bild. Ganz zu schweigen von dem ganzen meist unnützen Kram, den man in einem Jahr ansammeln kann und der restlos in der Lagerhalle verschwindet, in der ich meine Habseligkeiten für die nächsten Jahre unterstellen kann. Reisen macht bescheiden: Man lernt schnell, wie wenig man benötigt, um sich irgendwo wohlzufühlen und dass das meistens nichts mit Gegenständen oder Besitz zu tun hat.

Wahrscheinlich nehme ich deswegen auch die Katze mit, denn wenn irgendetwas für mich Heimat bedeutet, dann dieses schwarze, nervige, inzwischen sabbernde Katzentier mit weißen Schnurrhaaren, das mich seit 15 Jahren überallhin begleitet, die Weiterentwicklung der Stofftiere meiner Kindheit, nur nicht ganz so pflegeleicht.

Der Kater muss dafür einiges auf sich nehmen: die erste Impfung seit Jahren und die Implantierung eines Chips unter die Haut haben wir vor einigen Tagen hinter uns gebracht. Es hat sich einmal mehr gezeigt, warum ich schon seit Jahren keine Tierarztpraxis von innen betreten habe: zwei Helferinnen mussten den fauchenden und um sich schlagenden Kater festhalten, damit der Arzt ihm die Spritzen setzen konnte. Und dieses Spiel wird sich nächste Woche noch einmal wiederholen, wenn sein Gebiss auf Vordermann gebracht wird (er soll ja nicht mit faulen Zähnen nach China einreisen)... Jedenfalls führte seine "Lebhaftigkeit" dazu, dass der Tierarzt ihn sofort als fit und gesund und damit flugtauglich deklariert hat. Wenn ich jetzt noch ein starkes Schlafmittel bekomme, damit wir beide den Flug ohne größere Zwischenfälle überstehen, ist das Wichtigste geschafft.

Alle anderen (Kindeheits-)Erinnerungen, geliebte Dinge und Personen, lassen sich leider nicht so einfach mitnehmen. Oder vielleicht doch, in Form von Erinnerungen und Photos, durch Essen, Musik, Gerüche, die Bilder in meinem Kopf wachrufen. Nicht umsonst heißt es ja "Home is where the heart is". Insofern trage ich ein Stück Heimat immer mit mir herum, völlig unabhängig von Laptop oder USB-Stick.

13.1.08 16:09


Was ich vermissen werde...

Noch drei Wochen bis zu meiner Abreise, und je näher das Datum des Abflugs rückt, desto bewusster wird mir, wen und was ich hier alles zurücklasse und hoffentlich in mehr oder weniger unverändertem Zustand wiederfinde, wenn ich in zwei Jahren zurückkomme.

Ich werde vermissen (die Reihenfolge entspricht NICHT meiner persönlichen Wertschätzung):

meine musikalischen Schwestern (jetzt, wo die Konzerte mit ihnen endlich richtig Spaß machen) und natürlich meinen Lieblingsbruder, für den ich nie genug Zeit habe,

mein Badezimmer,

meine beste Freundin- jetzt, wo sie endlich wieder nach Köln zieht, gehe ich weg (und mit wem soll ich in Shanghai beim Latte Macchiato über die vorbeiflanierenden Typen und Tussis lästern?)-,

das Panorama von Köln, besonders von Deutz aus, 

am Sonntag Abend Tatort zu gucken,

meine pseudo-italienische Straße incl. der Sizilianer, die mir morgens immer zuwinken, wenn ich auf mein Rad steige,

Vollkornbrot,

die Telefongespräche mit meiner Mama,

mit Bettina und Andi in meiner Küche Kaffee zu trinken,

Anais, mein Quasi-Patenkind, 

meine Klasse mit all ihren Chaoten und Individualisten,

meine Mittwoch Abende, aus verschiedenen Gründen,

mich mit Jenni und Alex über Männerwelten und Frauenwelten zu unterhalten,

meine Samstagskurse mit Sergeant Ingo, weil einem der Muskelkater am nächsten Tag sicher anzeigt, dass man was getan hat,

Käse zum Frühstück, 

SMS-Fans wie mich mich, die lieber texten als telefonieren, 

mich auf dem Vertretungsplan zu suchen und mich zu
freuen, wenn ich nicht drin stehe,

mit Hannes zur Arbeit zu fahren,

mittwochs auszuschlafen,

französische Chansons zu singen,

mit Sonja die China-Fahrt zu planen,

mir neue Sachen für den Unterricht auszudenken und mich zu freuen, wenn es klappt,

Kurstreffen mit meinen Oberstufenkursen, die mir Lebkuchenherzen schenken,

mit meinen Freunden zu lachen,

Corinna, meine Cornelsen-Heldin,

Herrn Meyers Ironie und die Tatsache, dass wir uns zwar
Faust-Zitate zuwerfen, uns aber trotzdem nicht duzen,

Dorles unermüdlichen Einsatz,

Die Sonntagssendungen auf WDR 2, 

meine ersten Referendare,

in ganz wenigen Minuten ganz viel besprechen zu können,

die Holunder-Bionade, die man bei Besprechungen mit Andreas immer bekommt,

Ehrenfeld mit seinem ganzen Multi-Kulti-Charme,

meine Nachbarn von gegenüber, die mir immer nett zuwinken, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze,

meinen Friseur (den chinesischen Haarfarben traue ich nicht...), 

Julia, die für unser 10er-Team immer mehr macht als Hannes und ich zusammen,

den Kopierer, wenn er ausnahmsweise mal sortiert UND heftet,

mit den Hausmeistern über den Kopierer Witze zu machen, wenn er das mal wieder nicht tut,

Utas Berliner Schnauze,

mit Martin auf dem Abi-Ball noch einmal zur
Musik von Dirty Dancing zu tanzen und erstaunte Blicke zu ernten,

endlich mal einen LK zu haben,

mit Edith und den anderen zu frühstücken,

Friedrichs geplanten Chill Out-Raum,

Auto fahren, 

morgens immer einen freien Parkplatz zu finden
und dabei manchmal Herrn Müller seinen wegzunehmen,

die Eltern meiner Klasse 8, die mir immer Blumen zum Geburtstag schenken,

meinen Schlüsselbund mit dem Peking-Band, der immer zu mir zurückfindet, wenn ich ihn mal wieder irgendwo habe liegen lassen,

den Kaffee, den Lars mir morgens öfter mal ausgibt, wenn im Lehrerzimmer keiner die Maschine angestellt hat,

Glühwein-Parties,

alle Menschen, die mich mögen und die ich mag.

 

Außerdem werde ich wahrscheinlich den Kölner Karneval vermissen, aber immerhinkriege ich den dieses Jahr noch mit. Passenderweise fliege ich am 6.2., frei nach dem Motto "Aschermittwoch ist alles vorbei"...:-((

Noch kann ich mir gar nicht vorstellen, dass ich meine kleine Welt hier tatsächlich zurücklasse. Und natürlich frage ich mich, wie ich in ein paar Monaten oder in einem Jahr auf diesen Entschluss zurückblicken werde. Bisher haben mich Auslandsaufenthalte immer bereichert- bisher war ich aber auch noch nie so weit weg, in einer so fremden Kultur.

 

Seid so lieb und vergesst mich nicht! 

 

15.1.08 19:21





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