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Eine goldene Woche in China

Wer sich ueber die deutsche Sommerferienregelung aufregt, die NRW die naechsten Jahre fruehe Ferien und eine hoehere Regenwahrscheinlichkeit beschert, sollte sich als Gegenbeispiel die Goldene Woche in China (die Woche rund um den 1.10., den chinesischen Nationalfeiertag) angucken. 1,3 Milliarden Menschen haben gleichzeitig frei, sofern sie nicht in der Tourismusindustrie, d.h. als Hotelangestellte, Taxifahrer oder Souvenirverkaeufer arbeiten. In diesem Jahr waren laut CCTV-Nachrichten ueber 360 Millionen Menschen auf Reisen.

Und wir waren mittendrin.

Nach einigen entspannten Tagen in Shanghai, wo angesichts all der Wuseligkeit und der Menschenmassen ein paar 10.000 Touristen gar nicht auffallen, machte ich mich mit meiner Schwester auf den Weg nach Hangzhou, dem "Paradies auf Erden" (behaupten die Chinesen). Erste Probleme ergaben sich bereits bei der Fahrt zum Bahnhof, die sich mangels Taxi so sehr verzoegerte, dass wir unseren Zug verpassten und den naechsten nehmen mussten. Wer jetzt vermutet, dass in der zeitweiligen Servicewueste Chinas der Umtausch eines Bahntickets eine unloesbare Aufgabe darstellt, wird enttaeuscht sein: mit rudimentaeren Sprachkenntnissen ist es bei weitem einfacher, in China seinen Fahrschein auf den naechsten Zug umzubuchen als bei der Deutschen Bahn mit all ihren Sonderregelungen und Spezialpreisen ueberhaupt ein Ticket zu bekommen. Zudem kostet der chinesische Service nichts. Und am neuen Suedbahnhof von Shanghai laesst es sich durchaus aushalten, wenn man denn schon warten muss. Lichtdurchflutet und rund, mit einer Laden- und Warteebene und den eigentlichen Bahntrassen im Untergeschoss, erinnert er mehr an eine Einkaufspassage als an einen Ort des oeffentlichen Nahverkehrs.

Hangzhou ist, verglichen mit Shanghai, eine Kleinstadt mit "nur" ca. 5 Millionen Einwohnern. Tatsaechlich macht sich das auch im Stadtbild bemerkbar: Neben den ueblichen Hochhaeusern im Stadtzentrum bildet der Xihu, der Westsee, eine angenehme Abwechslung zum Betongrau und Glas der Hochhaeuser. Rund um den See verlaeuft eine Promenade, auf der man, wenn man viel Zeit hat, das Gewaesser umrunden kann. Ines und ich haben das abgekuerzt, indem wir ein Fahrrad angemietet haben, die ueberall fuer ca. 10,- Tagesmiete angeboten werden. Auch wenn wir beide definitv zu gross fuer die an Klappraeder erinnernden Fahrraeder waren und diese in ihrer Minimalversion weder mit einer Gangschaltung noch mit gut funtionierenden Bremsen ausgestattet sind, hatten wir doch grossen Spass an unserer Tour. Zu sehen gab es dabei Folgendes:

- sehr viele chinesische Touristengruppen, erkennbar an bunten Hueten oder T-Shirts mit dem Logo des Reiseanbieters, ansonsten auch nicht zu ueberhoeren durch das Megaphon des Reiseleiters

- lustige Wasserspiele (Las Vegas laesst gruessen!), bei denen zu den Klaengen von "Carmen" verschiedene Wasserfontaenen im Rhythmus der Musik in die Sommerluft schossen, beaeugt und beklatscht von sehr vielen chinesischen Touristengruppen (s.o.)

- diverse Parks, ein Tempel und ein Damm, der eine Abkuerzung ueber einen Teil des Westsees darstellt und eigentlich nicht mit dem Fahrrad befahren werden darf- da sich aber auch kein Chinese an dieses Verbot gehalten hat, haben wir das einfach mal ignoriert und versucht, an den Massen der Chinesen (s.o.) vorbeizukommen, die dort entlang flanierten

- privat organisierte Opernauffuehrungen in kleinen Pavillons am See, in denen aelteer chinesische Damen und Herren Auszuege aus chinesischen Opern vorsangen, um damit eine der zahlreichen chinesischen Touristengruppen (s.o.) zu beeindrucken

Abgesehen davon, dass wir auch auf dem Rueckweg nach Shanghai unseren Zug verpassten (nachdem wir 1 1/2h auf ein Taxi warten mussten) und wegen der Menschenmassen, die sich am Bahnhofsschalter draengten -Goldene Woche!- den Bus zurueck nehmen mussten, war Hangzhou die zweitaegige Reise in jedem Fall wert. Es tut den Augen einfach gut, mal wieder ein wenig Gruen zu sehen...:-))

 

1.10.07 12:40


Wir sind Weltmeister(innen)!

Nachdem wir uns schon zum Papst ausgerufen haben, sind wir, zumindest die entscheidenden 50% der bundesdeutschen Bevoelkerung, jetzt auch noch Fussball-Weltmeister. Und das Beste dabei ist: ich war live dabei, im Stadion, beim Sieg der Nationalmannschaft!

Wer von Euch jetzt spontan mehr als drei Mitglieder dieser Mannschaft namentlich aufzaehlen kann (ohne schummeln und googeln!), bekommt bei naechster Gelegenheit ein Eis von mir ausgegeben oder meine an diesem Abend verwendete Deutschlandfahne ueberreicht. Was sagt uns das? Frauen-Fussball hat's schwer- auch wenn die Frauen, im Gegensatz zu unseren "Sommermaerchen-Helden", nun schon zum zweiten Mal in Folge den Titel holen und mit ihrem Sieg ueber Brasilien im Finale das wiedergutmachen, was die Herrenmannschaft bei der vorletzten WM verschenkt hat... Wer sich dazu eine schoene Bilderstrecke ansehen moechte oder schon immer mal wissen wollte, was frau eigentlich unter dem Fussballtrikot traegt, dem sei die Mailadresse http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,508739,00.html empfohlen. Ist aber natuerlich kein Vergleich zum Live-Erlebnis, zumal bedauerlicherweise das Stadion von Shanghai, in dem das Spiel stattfand und mit einem beeindruckenden Feuerwerk abschloss, nicht mit abgebildet ist. Meine Schwester ist gerade dabei, die Photos fuer mich nachzumachen, so dass ich der geneigten Leserschaft demnaechst zeigen kann, wie es da so aussieht.

Das naechste Sport-Event, die Special Olympics, kann ich mir dann leider nicht mehr live ansehen, da Ralph ueber sein Buero nur ein Ticket fuer die Eroeffnungsfeier bekommen konnte. Aber ich arbeite jetzt schon an Eintrittskarten fuer Olympia 2008!

1.10.07 16:17


Wann braucht man schon mal das chinesische Wort fuer "Freundschaftsdelegation"?

In unserem Chinesisch-Lehrbuch, herausgegeben irgendwann in den 1980er Jahren, als in China noch ein Grossteil der Bevoelkerung mit Mao-Jacke auf dem Fahrrad unterwegs war, besuchen russische Freundschaftsdelegationen regelmaessig chinesische Fabriken. Man lernt dabei wichtige Saetze und grammatische Konstruktionen, z.B. "Waehrend die russische Freundschaftsdelegation die chinesische Fabrik besuchte, wurde die Fahne gehisst." oder "Nachdem Palanka sich den Besuh der russischen Freundschaftsdelegation im Fernsehen angeschaut hatte, erzaehlte sie Gubo davon." Das wirft doch gleich mehrere Fragen auf. Erstens: In welcher Nation werden so komische Vornamen wie Palanka und Gubo vergeben? (Die Vermutungen in unserem Chinesisch-Kurs reichten von Ungarn bis Litauen.) Zweitens: Wenn Sprachbuecher die Realitaet in einem Land abbilden, will man dann nach China reisen, wo man dort doch scheinbar immer nur Fabriken besichtigen muss? Und seit wann verstehen sich eigentlich die Russen und die Chinesen wieder so gut? Drittens: Wann kann man im Alltag so tolle Woerter wie "Freundschaftsdelegation" gebrauchen?

Jetzt. Wenn man sich wie ich mit 100 Lehrern auf eine Bildungsreise durch China begibt. Wenn Angela Merkel und Hu Jintao beschliessen -das war vor dem Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt-, dass die deutsch-chinesischen Beziehungen durch einen regen Austausch auch im Bildungs- und Kulturbereich weiter verbessert und intensiviert werden koennten. Und wenn deswegen 100 Schueler, Lehrer oder Schulleiter gesucht werden, die unter 40 sind und China-Erfahrung haben, um das Land zu bereisen und dabei als gute Repraesentanten der Bundesrepublik aufzutreten. 

Mein Schulleiter war nicht gerade begeistert, mich fuer 10 Tage ziehen zu lassen, ich dafuer aber um so mehr. Das Programm verspricht naemlich neben verschiedenen Schulbesuchen auch einen Abstecher in die Provinz Qinghai im Westen Chinas- so weit ausserhalb der grossen Staedte und so nah an Tibet war ich noch nie! Morgen geht es jetzt endlich los und ich bin gespannt, was mich erwartet. Nette Lehrer oder die typischen Konferenz-Lehrer (die immer meckern, ohne produktive Gegenvorschlaege zu machen, einfach um des Meckerns willen)? Kulturinteressierte oder Besserwisser, die meinen, sie muessten persoenlich die Demokratie nach China bringen? Landeskenner oder Studiosus-Touristen?

Dass eine Altersgrenze von 40 Jahren festgelegt wurde, stimmt mich latent zuversichtlich, morgen am Flughafen eine nette Truppe vorzufinden... Oder dachte sich der Allchinesische Jugendverband als Veranstalter der Reise, man koenne Leuten unter 40 einfach mehr an Reisestress und/oder schlechten Hotels zumuten?

Ich lasse mich ueberraschen.

 

15.10.07 13:37


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzaehlen

Erste Eindruecke:

Shanghai: ein Heimspiel. Nachdem ich mich nach der Ankunft unauffaellig unter die Teilnehmer der Delegation schmuggeln konnte, stand zunaechst einmal das typische touristische Shanghai-Programm an: der Fernsehtum und verwestlichtes Essen direkt am Huangpu. Da ich mir den Besuch des Oriental Pearl Towers bisher nicht geleistet hatte -zumal der Blick auf Shanghai fuer weniger Geld oder zumindest incl. eines Cocktails auch von der Bar im Hyatt oder ShangriLa zu haben ist-, hatte ich mich auf diesen Besuch gefreut und habe ihn auch entsprechend genossen.

Positiv ueberrascht bin ich auch von unserem Zimmer, ebenso wie von meiner Mitbewohnerin. Das Hotel liegt direkt neben dem "Max und Moritz", einem der bekannten deutschen Restaurants in Shanghai (Pudong), und Marit, meine Zimmergenossin, scheint sehr ruhig und umgaenglich zu sein und hat mir versprochen, nicht zu schnarchen. :-) Die anderen Mitglieder der Gruppe 1 -wir sind noch mal in Untergruppen a ca. 25 Personen eingeteilt- kann ich noch nicht wirklich einschaetzen, habe allerdings schon erste Kontakte geknuepft, u.a. mit einer Kollegin aus Lechenich, an deren Schule ein ehemaliger Mentor aus meinem Referendariat arbeitet (den es sicherlich amuesieren wird, dass er Gruesse aus China ausgerichtet bekommt).

Bisher sind noch keine Konferenz-Lehrer, Besserwisser oder Studiosus-Touristen aufgefallen. Einzig der bunte Mix von Dialekten im Bus ist ungewohnt und amuesant- diese Reise verspricht nicht nur ein interkultureller, sondern auch ein binnenkultureller (gibt's so ein Wort? Oder sagt man da "interfoederal"? :-))) Austausch zu werden.

Mehr dazu morgen.

 

16.10.07 16:01


Ueber die Notwendigkeit, das ABC neu zu lernen

Der Lehrer an sich beschaeftigt sich eher selten mit seiner Kleidung. Da sie nur selten gezwungen sind, Krawatte und Sakko (bzw. Hosenanzug und Bluse) zu tragen, sind viele Kollegen immer noch der irrigen Annahme, weisse Socken passten hervorragend zu Sandalen oder zum selbstgestrickten Dreifarben-Pullunder.

Um etwaigen Geschmacksver(w)irrungen vorzubeugen -und uns auch wirklich als wuerdige Repraesentanten unseres Landes erscheinen zu lassen- wurde das Programm der Delegationsreise mit den kryptischen Kuerzeln A,B und C versehen. Diese standen fuer A = formelle, d.h. Businesskleidung, B= business casual, d.h. etwas legerere Businesskleidung (was Sandalen ausschliesst, aber ein Hemd ohne Krawatte zulaesst) und C= casual, d.h. oben erwaehnte Freizeitklamotten. Die meisten Schulbesuche durften in B-Kleidung absolviert werden, bei den Abendveranstaltungen war Kleiderordnung A oberste Lehrerpflicht. Noch nie habe ich so viele gut aussehende Kollegen gesehen- man sollte weniger ueber die Einfuehrung von Schuluniformen diskutieren als vielmehr die Anzugpflicht fuer Lehrer einfuehren! (Wenn dadurch auch die Noten der Schueler nicht besser werden, der Laune der Kolleginnen ist es in jedem Fall zutraeglich! ;-)))

Die erste A(bend)-Veranstaltung fand gestern statt: ein Empfangsbankett des Shanghaier Jugendverbandes. Das Essensritual eines solchen Banketts weicht dabei an einigen Punkten von den uns vertrauten Ablaeufen ab.

Alles beginnt mit Reden, in denen sich Deutsche und Chinesen ewige Freundschaft schwoeren und dabei gesalbte Worte, wenn moeglich auch noch Sprichwoerter ueber Sinn und Zweck von Freundschaft und Kulturaustausch, von sich geben. Unser Uebersetzer hat dabei kleinere sprachliche Fauxpas der deutschen Delegationsleitung ausgebuegelt, indem er z.B. aus einfachen Damen und Herren ganz chinesisch Freundinnen und Freunde gemacht hat.

Den Reden folgt die gegenseitige Geschenkuebergabe. Dabei faellt auf, dass die chinesische Seite ihre Geschenke nicht verpackt, sondern offen ueberreicht (weil das auf dem Photo besser aussieht? Weil sie im Gegensatz zu uns nichts zu verbergen hat?). Egal ob verpackt oder nicht, nach ein paar warmen Worten werden die Geschenke an die herbeigeeilten Assistenten weitergereicht und verschimmeln dann vermutlich fuer immer in irgendeiner Asservatenkammer.

Nach den Geschenken, vor den Geschenken oder mittendrin darf auf jeden Fall angestossen werden, wenn es einer der Delegationsleiter will und durch ein lautes gan bei kundtut (was soviel heisst wie "Ex oder nie mehr Sex"). Auf jeden Fall darf nach Aufforderung des Gastgebers mit dem Essen begonnen werden. Das gemeine Volk, d.h. in diesem Fall der Lehrerpoebel, darf das Buffet oder die Speiseplatten pluendern, waehrend am Ehrentisch der Delegationsleitung wahrscheinlich huldvolle Worte ueber die deutsch-chinesische Freundschaft ausgetauscht werden.

Irgendwann, fuer deutsche Verhaeltnisse relativ frueh (so gegen 20h), wird das Bankett dann durch ein kurzes Wort des Gastgebers aufgeloest. Der Chinese an sich geht jetzt nach Hause oder in die naechstgelegene Karaokebar, der Deutsche wundert sich ueber den ploetzlichen Aufbruch und die vermeintliche Ungeselligkeit der Chinesen.

Oder er ignoriert diesen kulturellen Unterschied und geht entweder noch zur Massage oder in die Bar Rouge, um von dort den Ausblick auf die Skyline von Shanghai zu geniessen.

18.10.07 01:10


Reisen dient der Voelkerverstaendigung

Aussenstehende halten mich für wahnwitzig, weil ich freiwillig mit 100 Lehrern auf Reisen gehe. Das dachte ich anfangs auch- und war mir ziemlich sicher, dass es leichter sein wuerde, mich mit der chinesischen Kultur als mit einem Haufen Kollegen auseinanderzusetzen.

Inzwischen musste ich dieses Vorurteil revidieren- nachdem ich jeden Tag aufs Neue von der Geduld der Mecklenburger, der Feierlaune der Bayern, vom trockenen Humor der Brandenburger und vom Charme der Baden-Wuerttemberger ueberrascht werde. Es hat sich inzwischen eine relativ feste Sitzordnung sowohl im Bus als auch bei den Banketts herausgebildet, die dieses foederale Allerlei abbildet und eindeutig zur Verbesserung der Gesamtlaune (na ja, zumindest meiner Laune) beitraegt. Manchmal sind wir uns dabei wohl der Ehre und Wuerde, Repraesentanten unseres Landes zu sein, zu wenig bewusst, denn es kommt regelmaessig zu Ermahnungen seitens unseres deutschen Reiseleiters, China-Experten und Delegationsleitungsassistenten (in Personalunion), dem mal unser Lachen zu laut, mal unsere Hoeflichkeit nicht ausreichend genug oder unsere Kleidung nicht passend erscheint.

Die Chinesen selbst hingegen scheinen weniger irritiert, vielleicht weil ein grosser Teil der mitreisenden Dolmetscher selbst schon laenger in Deutschland war, wahrscheinlicher aber, weil sie selbst laut lachen, wenig hoeflich sind und ihre Kleidung ab und an gewoehnungsbeduerftig ist.

Im Gegensatz zu mir hat sogar der eine oder andere Chinese bereits Spaetzle geschabt, Feuerzangenbowle getrunken oder den Rhein mit dem Schiff bereist.

Reisen bildet eben...

22.10.07 07:27


Abschiedsworte müssen so kurz sein wie eine Liebeserklärung. (Fontane)

Es gilt sich also entsprechend kurzzufassen, waehrend ich im Internetcafe des Beijinger Flughafens sitze und mich noch nicht entschliessen kann, allein in mein Hotel zu fahren. Gerade habe ich Teile der Gruppe 1 am Zoll verabschiedet- die Delegationsteilnehmer fliegen 7 Stunden frueher als ich zurueck nach Deutschland, mit China Eastern ueber Shanghai. Die Versuchung ist gross, einfach am Flughafen zu bleiben und solange an meinem Blog weiterzuarbeiten, bis der Check-In-Schalter von Emirates aufmacht, aber dazu bin ich einfach zu muede (und da ich am Donnerstag wieder 5 Stunden Unterricht vor mir habe, kann ich mir keine durchwachte Nacht leisten!).

Um auf Fontane zurueckzukommen: Abschiedsworte muessen so kurz sein wie eine Liebeserklaerung- und sie koennen eine Liebeserklaerung sein. Eine Liebeserklaerung an dieses faszinierende Land und an alle, die mir waehrend der letzten Tage ans Herz gewachsen sind.

Es war eine fantastische Reise, von deren Erinnerungen ich sicherlich noch lange zehren werde- und deren Vokabular den ein oder anderen Leser verwirren wird. Meine Lieblingsworte und -saetze der Woche:

1) Top-Tisch = Sitz der chinesischen Gastgeber sowie der Delegationsleitung und ihr zugeordneter, beigeordneter und/oder untergeordneter Assistentinnen und Assistenten

2) ...in diesem herrlichen, goldenen Herbst... = immer wieder gern benutzte, bis zum Erbrechen ausgereizte Formel, um zu Beginn einer Rede einleitend ein wenig uebers Wetter zu reden

3) Gruppe 4 = die wahre Elite Deutschlands -so zumindest das Eigenverstaendnis-, die menschgewordene Exzellenzinitiative, oder kurz: die in der Delegation mitreisenden Universitaetsangehoerigen, die sich im Glanz ihres Doktortitels sonnen (muessen)

4) ...fantastische/beeindruckende/ueberwaeltigende Gastfreundschaft... = aehnliche Formel wie unter Punkt 2), diesmal zur Betonung des guten deutsch-chinesischen Verhaeltnisses, Dalai Lama hin oder her

5) Sind alle da? = die ewige Frage aller Fragen zu Beginn jedes Reiseabschnittes, da die groesste Panik der Chinesen offenbar darin bestand, einen ihrer Gaeste zu verlieren

6) Gan bei! = hoeflicher bis fordernder Aufruf zum Trinken bzw. zum Sich-besinnungslos-Saufen, dem Frauen gluecklicherweise weniger strikt folgen muessen als die mitreisenden Maenner

 

Noch Ergaenzungen? Mitreisende, ich bin fuer Anregungen offen!

Danke fuer eine tolle Zeit!

23.10.07 18:16


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