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   Der Erfinder des Originals: meine Lieblings-"China News"
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Was ich vermissen werde...

Noch drei Wochen bis zu meiner Abreise, und je näher das Datum des Abflugs rückt, desto bewusster wird mir, wen und was ich hier alles zurücklasse und hoffentlich in mehr oder weniger unverändertem Zustand wiederfinde, wenn ich in zwei Jahren zurückkomme.

Ich werde vermissen (die Reihenfolge entspricht NICHT meiner persönlichen Wertschätzung):

meine musikalischen Schwestern (jetzt, wo die Konzerte mit ihnen endlich richtig Spaß machen) und natürlich meinen Lieblingsbruder, für den ich nie genug Zeit habe,

mein Badezimmer,

meine beste Freundin- jetzt, wo sie endlich wieder nach Köln zieht, gehe ich weg (und mit wem soll ich in Shanghai beim Latte Macchiato über die vorbeiflanierenden Typen und Tussis lästern?)-,

das Panorama von Köln, besonders von Deutz aus, 

am Sonntag Abend Tatort zu gucken,

meine pseudo-italienische Straße incl. der Sizilianer, die mir morgens immer zuwinken, wenn ich auf mein Rad steige,

Vollkornbrot,

die Telefongespräche mit meiner Mama,

mit Bettina und Andi in meiner Küche Kaffee zu trinken,

Anais, mein Quasi-Patenkind, 

meine Klasse mit all ihren Chaoten und Individualisten,

meine Mittwoch Abende, aus verschiedenen Gründen,

mich mit Jenni und Alex über Männerwelten und Frauenwelten zu unterhalten,

meine Samstagskurse mit Sergeant Ingo, weil einem der Muskelkater am nächsten Tag sicher anzeigt, dass man was getan hat,

Käse zum Frühstück, 

SMS-Fans wie mich mich, die lieber texten als telefonieren, 

mich auf dem Vertretungsplan zu suchen und mich zu
freuen, wenn ich nicht drin stehe,

mit Hannes zur Arbeit zu fahren,

mittwochs auszuschlafen,

französische Chansons zu singen,

mit Sonja die China-Fahrt zu planen,

mir neue Sachen für den Unterricht auszudenken und mich zu freuen, wenn es klappt,

Kurstreffen mit meinen Oberstufenkursen, die mir Lebkuchenherzen schenken,

mit meinen Freunden zu lachen,

Corinna, meine Cornelsen-Heldin,

Herrn Meyers Ironie und die Tatsache, dass wir uns zwar
Faust-Zitate zuwerfen, uns aber trotzdem nicht duzen,

Dorles unermüdlichen Einsatz,

Die Sonntagssendungen auf WDR 2, 

meine ersten Referendare,

in ganz wenigen Minuten ganz viel besprechen zu können,

die Holunder-Bionade, die man bei Besprechungen mit Andreas immer bekommt,

Ehrenfeld mit seinem ganzen Multi-Kulti-Charme,

meine Nachbarn von gegenüber, die mir immer nett zuwinken, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze,

meinen Friseur (den chinesischen Haarfarben traue ich nicht...), 

Julia, die für unser 10er-Team immer mehr macht als Hannes und ich zusammen,

den Kopierer, wenn er ausnahmsweise mal sortiert UND heftet,

mit den Hausmeistern über den Kopierer Witze zu machen, wenn er das mal wieder nicht tut,

Utas Berliner Schnauze,

mit Martin auf dem Abi-Ball noch einmal zur
Musik von Dirty Dancing zu tanzen und erstaunte Blicke zu ernten,

endlich mal einen LK zu haben,

mit Edith und den anderen zu frühstücken,

Friedrichs geplanten Chill Out-Raum,

Auto fahren, 

morgens immer einen freien Parkplatz zu finden
und dabei manchmal Herrn Müller seinen wegzunehmen,

die Eltern meiner Klasse 8, die mir immer Blumen zum Geburtstag schenken,

meinen Schlüsselbund mit dem Peking-Band, der immer zu mir zurückfindet, wenn ich ihn mal wieder irgendwo habe liegen lassen,

den Kaffee, den Lars mir morgens öfter mal ausgibt, wenn im Lehrerzimmer keiner die Maschine angestellt hat,

Glühwein-Parties,

alle Menschen, die mich mögen und die ich mag.

 

Außerdem werde ich wahrscheinlich den Kölner Karneval vermissen, aber immerhinkriege ich den dieses Jahr noch mit. Passenderweise fliege ich am 6.2., frei nach dem Motto "Aschermittwoch ist alles vorbei"...:-((

Noch kann ich mir gar nicht vorstellen, dass ich meine kleine Welt hier tatsächlich zurücklasse. Und natürlich frage ich mich, wie ich in ein paar Monaten oder in einem Jahr auf diesen Entschluss zurückblicken werde. Bisher haben mich Auslandsaufenthalte immer bereichert- bisher war ich aber auch noch nie so weit weg, in einer so fremden Kultur.

 

Seid so lieb und vergesst mich nicht! 

 

15.1.08 19:21


Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit...

Da es in China üblich ist, Wohnungen möbiliert zu vermieten, werde ich mit leichtem Gepäck (ab)reisen: mit 20kg im Koffer und einer Katze. Was beides eine gewisse Herausforderung darstellt: Wie reduziert man die wesentlichen Dinge des Lebens auf 20kg? Was sind eigentlich die wesentlichen Dinge? Was braucht man für zwei Jahre fern der Heimat? Und warum gehört die Katze ins Gepäck?

Wahrscheinlich landen nur Kleidungsstücke und Photos in meinem Koffer, für mehr ist kein Platz. Und in unserer mobilen Gesellschaft hat man ja eh die wichtigsten Sachen auf dem Laptop oder dem USB-Stick gespeichert, oder? Das stimmt nur zum Teil. Meine Lieblingsbücher müssen leider zurückbleiben, ebenso wie das eine oder andere vertraute Möbelstück oder Bild. Ganz zu schweigen von dem ganzen meist unnützen Kram, den man in einem Jahr ansammeln kann und der restlos in der Lagerhalle verschwindet, in der ich meine Habseligkeiten für die nächsten Jahre unterstellen kann. Reisen macht bescheiden: Man lernt schnell, wie wenig man benötigt, um sich irgendwo wohlzufühlen und dass das meistens nichts mit Gegenständen oder Besitz zu tun hat.

Wahrscheinlich nehme ich deswegen auch die Katze mit, denn wenn irgendetwas für mich Heimat bedeutet, dann dieses schwarze, nervige, inzwischen sabbernde Katzentier mit weißen Schnurrhaaren, das mich seit 15 Jahren überallhin begleitet, die Weiterentwicklung der Stofftiere meiner Kindheit, nur nicht ganz so pflegeleicht.

Der Kater muss dafür einiges auf sich nehmen: die erste Impfung seit Jahren und die Implantierung eines Chips unter die Haut haben wir vor einigen Tagen hinter uns gebracht. Es hat sich einmal mehr gezeigt, warum ich schon seit Jahren keine Tierarztpraxis von innen betreten habe: zwei Helferinnen mussten den fauchenden und um sich schlagenden Kater festhalten, damit der Arzt ihm die Spritzen setzen konnte. Und dieses Spiel wird sich nächste Woche noch einmal wiederholen, wenn sein Gebiss auf Vordermann gebracht wird (er soll ja nicht mit faulen Zähnen nach China einreisen)... Jedenfalls führte seine "Lebhaftigkeit" dazu, dass der Tierarzt ihn sofort als fit und gesund und damit flugtauglich deklariert hat. Wenn ich jetzt noch ein starkes Schlafmittel bekomme, damit wir beide den Flug ohne größere Zwischenfälle überstehen, ist das Wichtigste geschafft.

Alle anderen (Kindeheits-)Erinnerungen, geliebte Dinge und Personen, lassen sich leider nicht so einfach mitnehmen. Oder vielleicht doch, in Form von Erinnerungen und Photos, durch Essen, Musik, Gerüche, die Bilder in meinem Kopf wachrufen. Nicht umsonst heißt es ja "Home is where the heart is". Insofern trage ich ein Stück Heimat immer mit mir herum, völlig unabhängig von Laptop oder USB-Stick.

13.1.08 16:09


Alle Wege führen nach China- und manche dauern länger...

...z.B. der bürokratische Weg.

Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch mit der Schulleiterin der deutschen Schule in Peking steht meinem Eintritt in die chinesische Arbeitswelt jetzt nichts mehr entgegen- bis auf die Tatsache, dass ich ja eigentlich nach Shanghai ziehen wollte.

Was ist passiert, dass es mich jetzt doch in die chinesische Hauptstadt verschlägt? (Oder besser gesagt: was ist NICHT passiert?)

Bereits im Sommer hatte ich erste Gespräche mit dem Bundesverwaltungsamt geführt, um mögliche Stellenausschreibungen zu sondieren. Der Zeitpunkt war günstig: es gab vier Stellen für Deutschlehrer an chinesischen Schulen zu besetzen, davon eine in unmittelbarer Nähe von, die andere direkt in Shanghai. Offensichtlich gab es für beide Stellen auch nicht haufenweise Bewerber, gegen die ich hätte antreten müssen. Es hätte also alles ganz schnell entschieden werden können. Der geneigte Leser wird feststellen, dass ich bewusst den Konjunktiv Irrealis verwende, der entweder Wünschens- und Hoffenswertes oder aber Unmögliches bezeichnet (bis heute bin ich mir nicht sicher, was davon zutrifft).

Es begann eine kafkaeske Reise durch die deutsche Länderbürokratie, die sich unabhängig von der Institution (BVA, Bezirksregierung, Ministerium) vor allem dadurch auszeichnete, dass niemand für meine Anfrage zuständig war und/oder niemand Verantwortung dafür übernehmen wollte, mich tatsächlich ins Ausland zu entsenden: Das Bundesverwaltungsamt ließ mich wissen, dass ich zunächst eine Freistellung von der Bezirksregierung bräuchte, von dort wurde ich ans Ministerium verwiesen, weil ich ja bereits auf Lebenszeit verbeamtete Lehrerin sei, auf die die angebotenen Bundesprogrammlehrkraft-Stellen aber nicht zugeschnitten seien, vom Ministerium wurde ich mit warmen Worten an die Bezirksregierung zurückverwiesen, die schließlich meinte, ohne die Zusage, dass ich eine Stelle in Aussicht hätte, wäre auch eine Freistellung nicht möglich- die wiederum war aber Bedingung des BVA für eine Stellenzusage...

Allen Nicht-Lehrern, die an diesem Punkt geistig bereits abgeschaltet haben, sei versichert, dass das nur die Kurzversion des tatsächlichen Behörden-Marathons ist, den ich hinter mir habe. Am Ziel bin ich eigentlich immer noch nicht angekommen, denn schließlich gehe ich nächsten Monat nicht nach Shanghai, sondern nach Peking. How comes? Weil mir das Warten zu lange dauerte, hatte ich parallel nach (schlechter bezahlten und sozial weniger abgesicherten) Ortlehrerstellen Ausschau gehalten und mich kurzerhand einfach an allen deutschen Schulen in China initiativ beworben. Vor meiner Delegationsreise im Herbst war ich dann in Peking eingeladen und wurde auch direkt eingestellt- nur um dann während der Delegationsreise in Shanghai zu hören, dass ja immer noch 25 (!) Stellen für Deutschlehrer an chinesischen Schulen, auch in Shanghai, unbesetzt seien und händeringend Bewerber gesucht würden... Für einen Moment habe ich nach der versteckten Kamera Ausschau gehalten, aber offensichtlich liegt es "nur" an der mangelnden Abstimmung und Kommunikation der bürokratischen Institutionen, dass auf der einen Seite Bewerbungen nicht bearbeitet und andererseits dringend Lehrer gesucht werden.

Bis jetzt, ein paar Wochen vor meinem Abflug, habe ich noch keine Zusage oder Absage für die BPLK-Stelle in Shanghai erhalten und gehe daher davon aus, dass ich zunächst einmal in Peking arbeiten werde. Aber wer weiß? Jeden Tag kann sich etwas Neues ergeben. Es geht ja nichts über Planungssicherheit...

Ich halte Euch auf dem laufenden!

3.1.08 13:02


Schulsysteme im Vergleich

Wir sind einander nah durch die Natur, aber sehr entfernt durch die Bildung.    (Konfuzius)

 

Meine Schüler haben mich gefragt, worin die größten Unterschiede bestehen zwischen dem deutschen und dem chinesischen Schulsystem, wie ich es auf der Delegationsreise kennengelernt habe.

Auch wenn man uns wohl nur Musterschulen gezeigt hat, Ausnahme-Bildungsstätten mit Top-Ausstattung und Top-Schülern (die Frage, was eigentlich mit schwächeren Schülern geschehe, wurde an einer Schule mit dem knappen Satz beantwortet, an dieser Schule gebe es keine schwachen Schüler...), kann man nichtsdestotrotz Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden:

Chinesische Schüler sind alle Streber, im positiven Sinne des Wortes. Sie streben danach, einen sehr guten Abschluss zu machen und/oder die Aufnahmeprüfung an der Universität zu bestehen, denn nur das garantiert ihnen Chancen auf einen guten Job. Zwei deutsche Austauschschüler, die wir an einer Schule in Peking getroffen haben, berichteten, sie hätten mit den chinesischen Schülern nur während der Schulzeit zu tun, ansonsten seien diese ständig dabei zu lernen oder zu wiederholen und hätten keine Freizeit. 

Strenge Disziplin macht sich auch im Unterricht bemerkbar, in dem über das Fachliche hinaus nicht geredet werden darf (und nicht geredet wird)- wahrscheinlich ist das auch nicht anders machbar bei Klassen von manchmal 40 Schülern. Auf jeden Fall konnte mancher Kollege das Leuchten in seinen Augen nicht verbergen beim Anblick der fleißig schreibenden Schüler und des dozierenden Lehrers, der auf einer Art Podest vor der Klasse stand. Und auch ich konnte ein leises Seufzen nicht unterdrücken, als ich mir meine quirlige 8. oder meine träge 10. Klasse in dieser Umgebung vorstellte...

Die Kehrseite dieses Leistungsdrucks: selber denken ist nicht gefragt. Ähnlich den Dozenten an der Uni (vgl. die Aussagen zu Gruppe 4, s.u. :-)) sind Lehrer unantastbare und distanzierte Wesen, deren Meinung ungefragt anerkannt und auswendig gelernt wird. Wie ist es möglich, Kants Appell an die Vernunft auswendig zu lernen und nicht zu hinterfragen, warum man das tut, das Gängelband nicht zu sehen? Aber vielleicht ist es auch einfach nur arrogant von uns, das westliche Bildungsideal über das konfuzianische stellen zu wollen...

Eins jedenfalls ist auffällig: Bildung und Leistung an sich, aber auch den Lehrern wird eine hoher Stellenwert zugeschrieben, in das Lernen und die Ausbildung wird offensichtlich mehr Zeit, Geld und Wertschätzung investiert als bei uns. Das zeigt sich nicht an den wenigen Eliteschulen, die ihre Klassenräume an virtuelle Welten anschließen und jedem Schüler einen Internetarbeitsplatz einräumen, sondern an der Unbedingtheit, mit der sich Schüler dem Lernen verschreiben (müssen) und dem Ansehen, das Lehrer  genießen. Während des  Besuchs in Gastfamilien in Xining wurden meine Kollegin und ich mit dem Titel "Lehrerin" angeredet, wie man es hierzulande nur noch bei Professoren und Doktoren tut.

Welche Anregungen kann man mit nach Hause nehmen?

Positiv aufgefallen ist mir das öffentliche Lob, wie es an allen Schulen durch die Veröffentlichung guter Leistungen sowohl von Schülern als auch Lehrern  oder durch Talentshows vergeben wurde. Die Kehrseite, ein klasseninternes Ranking, das die leistungsschwachen oder auffälligen Schüler anprangert, halte ich dagegen für pädagogisch weniger wertvoll (außerdem haben wir in NRW dafür ja sechs Kopfnoten eingeführt, das muss reichen! :-)).   

Auch an eine einheitliche Schulkleidung könnte ich mich durchaus gewöhnen, auch wenn Trainingsanzüge, wie sie an den chinesischen schulen getragen werden, nicht meine erste Wahl wären. Dafür habe ich mich während der Reise zu sehr an die schicken Anzüge und Kostümchen der LehrerInnenkollegInnen gewöhnt... Vielleicht also eher die englische Variante ohne Krawatte (zu schwierig zu binden) und Faltenrock (macht fett)? 

Was ich nach dieser Reise in jedem Fall sicher weiß: ich mag meine Schüler so, wie sie sind- kritisch, chaotisch, kreativ und individuell. Ich möchte weder, dass sie vor mir Angst haben noch dass sie über meine schlechten Witze lachen, nur weil ich der Chef im Ring bin.

Aber natürlich werde ich ihnen das nicht verraten.  

 

 

26.10.07 16:38


Abschiedsworte müssen so kurz sein wie eine Liebeserklärung. (Fontane)

Es gilt sich also entsprechend kurzzufassen, waehrend ich im Internetcafe des Beijinger Flughafens sitze und mich noch nicht entschliessen kann, allein in mein Hotel zu fahren. Gerade habe ich Teile der Gruppe 1 am Zoll verabschiedet- die Delegationsteilnehmer fliegen 7 Stunden frueher als ich zurueck nach Deutschland, mit China Eastern ueber Shanghai. Die Versuchung ist gross, einfach am Flughafen zu bleiben und solange an meinem Blog weiterzuarbeiten, bis der Check-In-Schalter von Emirates aufmacht, aber dazu bin ich einfach zu muede (und da ich am Donnerstag wieder 5 Stunden Unterricht vor mir habe, kann ich mir keine durchwachte Nacht leisten!).

Um auf Fontane zurueckzukommen: Abschiedsworte muessen so kurz sein wie eine Liebeserklaerung- und sie koennen eine Liebeserklaerung sein. Eine Liebeserklaerung an dieses faszinierende Land und an alle, die mir waehrend der letzten Tage ans Herz gewachsen sind.

Es war eine fantastische Reise, von deren Erinnerungen ich sicherlich noch lange zehren werde- und deren Vokabular den ein oder anderen Leser verwirren wird. Meine Lieblingsworte und -saetze der Woche:

1) Top-Tisch = Sitz der chinesischen Gastgeber sowie der Delegationsleitung und ihr zugeordneter, beigeordneter und/oder untergeordneter Assistentinnen und Assistenten

2) ...in diesem herrlichen, goldenen Herbst... = immer wieder gern benutzte, bis zum Erbrechen ausgereizte Formel, um zu Beginn einer Rede einleitend ein wenig uebers Wetter zu reden

3) Gruppe 4 = die wahre Elite Deutschlands -so zumindest das Eigenverstaendnis-, die menschgewordene Exzellenzinitiative, oder kurz: die in der Delegation mitreisenden Universitaetsangehoerigen, die sich im Glanz ihres Doktortitels sonnen (muessen)

4) ...fantastische/beeindruckende/ueberwaeltigende Gastfreundschaft... = aehnliche Formel wie unter Punkt 2), diesmal zur Betonung des guten deutsch-chinesischen Verhaeltnisses, Dalai Lama hin oder her

5) Sind alle da? = die ewige Frage aller Fragen zu Beginn jedes Reiseabschnittes, da die groesste Panik der Chinesen offenbar darin bestand, einen ihrer Gaeste zu verlieren

6) Gan bei! = hoeflicher bis fordernder Aufruf zum Trinken bzw. zum Sich-besinnungslos-Saufen, dem Frauen gluecklicherweise weniger strikt folgen muessen als die mitreisenden Maenner

 

Noch Ergaenzungen? Mitreisende, ich bin fuer Anregungen offen!

Danke fuer eine tolle Zeit!

23.10.07 18:16


Chinesisches Essen hilft gegen Vampire...und andere Vorurteile

Die erste Frage, die jeder China-Reisende beantworten muss, ist die nach dem Essen. "Na, gab´s auch Hund oder Katze?", wird man dann meist gefragt und im Gesicht des Gegenübers spiegelt sich Ekel mit einem Hauch von Faszination.

Der Leser kann beruhigt sein: auch wenn es ein chinesisches Sprichwort gibt, das von den Kantonesen behauptet, sie äßen alles, was vier Beine hat und kein Tisch ist, so gilt diese Regel doch nicht für ganz China. Auf der Reise von Shanghai nach Peking war das Essen also in der Beziehung völlig unspektakulär. Schwierigkeiten mit der chinesischen Küche tun sich an ganz anderen, harmlos anmutenden Punkten auf:

1. Sein Essen mit Stäbchen zu sich zu nehmen, bedeutet Kampf, zumindest wenn man es nicht gewöhnt ist. Und auch wenn man wie ich häufig und gerne Messer und Gabel gegen zwei Holzstäbe eintauscht (wie konnte die Evolution nur so etwas erfinden?), bleiben Glasnudeln, Fisch und Tofu weiterhin eine Herausforderung.

2. Tiere mitsamt ihrer Knochen zu zerhacken, anstatt sie säuberlich zu filettieren, ist für den gewöhnlichen Europäer gewöhnungsbedürftig. Das Fleisch bleibt zwar tatsächlich saftiger und schmeckt auch viel intensiver -was auch am weitgehenden Fehlen von Legebatterien und riesigen Tierzuchtfarmen liegen mag- , doch muss man sich schon im Vorfeld überlegen, was man mit den Knochen im Fleischgericht anstellt. Erst essen und dann die Reste ausspucken (chinesische Methode) oder besser versuchen, mit Hilfe der Stäbchen (Schwierigkeiten s.o.) das Fleich vom Knochen zu ziehen und dann zu essen?

3. Unsere Delikatessen entsprechen nicht den chinesischen Delikatessen. So mögen für uns das Filet oder die Hühnebrust das beste Stück Fleisch sein, für den Chinesen ist es der Entenfuß oder das Fischauge. Wer jetzt angewidert aufschreit, sollte sich überlegen, aus welchen Bestandteilen die Frühstücksleberwurst besteht oder warum Kutteln in Frankreich eine besondere Spezialität sind. Jedenfalls hat dieser Unterschied in der Essenskultur auf der Reise für einige Erheiterung gesorgt: wenn uns z.B. ein Huhn incl. Kopf und Füßen, dafür aber ohne Brust und Flügel serviert wurde, oder wenn ein Kollege versehentlich Entenfüße verspeist hat, ohne es zu merken. An dieser Stelle auch ein Tipp für Freunde der koreanischen Küche: das Fleisch wird, wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, nicht roh gegessen, sondern vorher gebraten...:-))

Da man den Chinesen in Bezug auf die Küche so ziemlich jede Ekligkeit zutraut, entgehen einem dadurch manchmal besondere Köstlichkeiten. Es lohnt sich also, alles Unbekannte zumindest einmal zu probieren- und dabei herauszufinden, dass die vermeintlichen Pinguinaugen eine leckere Süßspeise sind und Seetang tatsächlich nahr- und schmackhaft sein kann...

In diesem Sinne: Guten Hunger!

 

PS: Chinesisches Essen enthält übrigens tatsächlich so viel Knoblauch, dass davon jeder Blutsauger abgeschreckt wird. Aber Vampire gibt es nicht.

24.10.07 21:50


Reisen dient der Voelkerverstaendigung

Aussenstehende halten mich für wahnwitzig, weil ich freiwillig mit 100 Lehrern auf Reisen gehe. Das dachte ich anfangs auch- und war mir ziemlich sicher, dass es leichter sein wuerde, mich mit der chinesischen Kultur als mit einem Haufen Kollegen auseinanderzusetzen.

Inzwischen musste ich dieses Vorurteil revidieren- nachdem ich jeden Tag aufs Neue von der Geduld der Mecklenburger, der Feierlaune der Bayern, vom trockenen Humor der Brandenburger und vom Charme der Baden-Wuerttemberger ueberrascht werde. Es hat sich inzwischen eine relativ feste Sitzordnung sowohl im Bus als auch bei den Banketts herausgebildet, die dieses foederale Allerlei abbildet und eindeutig zur Verbesserung der Gesamtlaune (na ja, zumindest meiner Laune) beitraegt. Manchmal sind wir uns dabei wohl der Ehre und Wuerde, Repraesentanten unseres Landes zu sein, zu wenig bewusst, denn es kommt regelmaessig zu Ermahnungen seitens unseres deutschen Reiseleiters, China-Experten und Delegationsleitungsassistenten (in Personalunion), dem mal unser Lachen zu laut, mal unsere Hoeflichkeit nicht ausreichend genug oder unsere Kleidung nicht passend erscheint.

Die Chinesen selbst hingegen scheinen weniger irritiert, vielleicht weil ein grosser Teil der mitreisenden Dolmetscher selbst schon laenger in Deutschland war, wahrscheinlicher aber, weil sie selbst laut lachen, wenig hoeflich sind und ihre Kleidung ab und an gewoehnungsbeduerftig ist.

Im Gegensatz zu mir hat sogar der eine oder andere Chinese bereits Spaetzle geschabt, Feuerzangenbowle getrunken oder den Rhein mit dem Schiff bereist.

Reisen bildet eben...

22.10.07 07:27


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